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Entdecken Sie bei jedem Heimspiel die Beziehung, die unsere Spieler zu bestimmten Fussballthemen haben. Heute ist Miroslav Stevanovic mit den Bällen an der Reihe. Eine komplexe Beziehung.


Welche Beziehung hast du zu den Bällen?

Ich bin nicht der Spielertyp, der den Ball besonders liebt oder eine spezielle Beziehung zu ihm pflegt. Ich bin ein athletischer Spieler, der gerne in die freien Räume läuft.

Erinnerst du dich an das erste Mal, als du einen Ball tratst?

Nein, ich erinnere mich nicht daran. Aber ich weiss noch, dass es in unserem Familiengarten zahlreiche Bälle gab. In meiner Familie mochten alle den Fussball und sie spielten auch alle Fussball. Das erste Mal war zu Hause, das ist sicher.

Du wuchst also mit Bällen auf?

Ja, ich komme aus einer Fussballerfamilie, ich konnte dem nicht aus dem Weg gehen. Es half mir allerdings, der Spieler zu werden, der ich heute bin.

Redest du mit dem Ball?

Ja, manchmal tue ich es. Vor einem Straf- oder Freistoss rede ich erst mit mir selbst: «Komm Mića, konzentrier dich!» und dann flehe ich den Ball an, auf mich zu hören und ins Netz zu gehen (lacht).

Manche Spieler wie Ronaldinho betrachten den Ball als ihren besten Freund. Ist es auch dein Fall?

Nein. Ich trainiere viel, um mein Spiel zu verbessern, aber nicht immer mit dem Ball. Ich habe gewisse Brasilianer oder andere Spieler am Ball gesehen, sie machten unglaubliche Dinge damit und ich dachte mir: «Das schaffe ich niemals!»

Würdest du sagen, dass du den Bällen aus dem Weg gehst, um dich auf deine Laufwege zu konzentrieren?

Nein, natürlich nicht. Technisch bin ich nicht der Begabteste. Als ich bei Sevilla dem Publikum vorgestellt wurde, wollten sie, dass ich Dribblings oder Tricks vorführte. Ich habe ihnen gesagt, dass ich dazu nicht fähig sei (lacht).

Dementsprechend bist du ohne Ball besser als mit ihm?

Nein, mit dem Ball bin ich nicht schlecht, das muss ich klarstellen. Aber wenn ich mich mit anderen Spielern, auch aus unserer Mannschaft, vergleiche, dann gibt es Bessere als ich.

Oft sagen gewisse Experte, dass die Arbeit ohne Ball mindestens genauso wichtig sei wie die Arbeit mit ihm. Bist du damit einverstanden?

Ja, ich kann es verstehen. Spieler wie Kanté oder Makelele zu seiner Zeit leisten eine unglaubliche Arbeit ohne Ball. In unserer Mannschaft sind es Bobo (Cespedes) oder Gaël, die in diesem Bereich überragend sind. Auf der anderen Seite braucht es auch technisch begabte Spieler, die mit dem Ball eine Show abziehen. Das mögen die Leute und das wollen sie auch sehen. Um Publikum ins Stadion zu holen, braucht es Spieler, die den Ball lieben.

Gibt es bei Servette Spieler, die eine besondere Beziehung zum Ball haben?

Ja, Wüthrich und Cognat lieben den Ball, das ist klar. Ich erinnere mich an mein erstes Spiel mit Servette. Ich glaube, dass es in Rapperswil war. Ich sah Bichon (Wüthrich) im Zwischenraum und spielte ihm den Ball in die Tiefe. Er lief nicht hin und sagte mir dann: «Was machst du? Du musst ihn mir in die Füsse spielen!» Ich habe verstanden, dass er den Ball im Fuss braucht und dass er der Beste in diesem Bereich ist.

Wenn du mit dem Fussball aufhörst, wirst du weiterhin hobbymässig spielen?

Es ist sicher schwierig, von einem Tag auf den anderen mit dem Fussball aufzuhören. Bestimmt werde ich immer Bälle um mich herumhaben. Dabei denke ich an den Trainer von Bologna, Sinisa Mihajlovic. Er wird im Krankenhaus für eine Leukämie behandelt. Trotzdem konnte er es sich nicht nehmen lassen, ins Stadion zu seiner Mannschaft zu kommen. Ich verstehe ihn, der Fussball hat ihm alles gegeben und er lebt für den Fussball. Er kann nicht auf ihn verzichten.