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Jérémy Faug-Porret spielte einst beim Servette FC, nun ist er Athletik- und Co-Trainer der Frauenmannschaft. Vor der englischen Woche der NLA-Mannschaft kommt er auf seine Karriere und seine Methoden zurück.


Die Servette-Fans kennen deine Karriere als Fussballer gut, deine Karriere als Athletiktrainer etwas weniger. Dabei hast du ziemlich früh angefangen. Wie hast du dich dazu entschieden?

Mit 18, 19 wollte ich mein Studium nicht unbedingt abbrechen und nur auf die Karte Fussball setzen, um dann vielleicht in Ligue 2 oder National zu spielen. Deswegen entschied ich mich dazu, in der Saison 2009-2010 bestand ich meine Prüfungen und wurde Athletiktrainer. Zu jener Zeit spielte ich in der CFA [4. französische Liga]. Als ich in Strassburg spielte, war ich Spieler der ersten Mannschaft und Athletiktrainer im Nachwuchszentrum zugleich. Ich habe bis zu meinem Abgang beides gleichzeitig gemacht.

Dann hast du drei Jahre in Bulgarien und ein Jahr in Rumänien gespielt. Du hast den Doppelblick als Spieler und Athletiktrainer. Haben dich dann gewisse Trainingsmethoden überrascht?

Zu Beginn war es ein Shock. Sie hatten eine andere Leistungsauffassung. Ich habe das bei einfachen Dingen gemerkt: in Frankreich war das Dehnen beispielsweise seit 15 Jahren von den Aufwärmprogrammen verschwunden. Spezifische Dehnübungen, die man nicht mehr machte, aber die jetzt wieder in Mode kommen. Auch in anderen Bereichen gab es Diskrepanzen, aber ich habe Vieles gelernt. Und es gab nicht nur Athletiktrainer aus Bulgarien, sondern auch Italiener, Spanier, Typen, die in der Serie A oder bei Real Madrid gearbeitet hatten…

Hast du absurde Spielvorbereitungen erlebt?

In Rumänien verfolgten sie den Plan einer Ernährungsberaterin, die nicht wollte, dass die Spieler am Matchtag Teigwaren essen. Deshalb gab es beim Match-Meal nur gedämpftes Gemüse, aber keinen Zucker im Teller, obwohl man weiss, dass Zucker für die Leistung unabdingbar ist.   

Deine Karriere hat dich von Frankreich nach Bulgarien und Rumänien gebracht. Dein Weg hat dich aber auch in die Schweiz und nach Kasachstan geführt. Wenn du einen einzigen Moment wählen sollest, welcher wäre es?

Ich würde die Derbys zwischen dem ZSKA Sofia und Levski Sofia nennen. Ich habe einige davon bestritten und es war jedes Mal unglaublich.  

Redest du besser bulgarisch, rumänisch oder kasachisch?

Zum Ende hin konnte ich bulgarisch reden, ich kam gut zurecht. Ich kann sicherlich noch ein paar Dinge sagen, aber ich rede es nicht mehr fliessend.  

Letzte Saison hast du noch bei Carouge gespielt und ihr seid in die Promotion League aufgestiegen. Wolltest du deine Karriere unbedingt mit einer guten Note abschliessen?

Deshalb habe ich mich letzte Saison mit Carouge bedingungslos eingesetzt, weil ich meine Karriere mit dieser positiven Note abschliessen wollte. Zudem wollte ich keine halben Sachen machen. Zur Hälfte in einem Verein und zur anderen in einem anderen Klub, zur Hälfte auf meine eigene Leistung konzentriert, zur anderen Hälfte auf diejenige der anderen…sonst bist du überall und nirgends.

Letzte Saison warst du « nur » Athletiktrainer des Servette FCCF, diese Saison hingegen bist du auch Co-Trainer. Was hat sich in deinem Pflichtenheft geändert?

Jetzt ist es völlig anders. Letzte Saison hatte ich nur drei kleinere Einsätze pro Woche und, wenn es möglich war, ging ich zum Spiel. Ich war in Trois-Chêne, Carouge und Balexert tätig, wo ich am Donnerstag [wenn die erste Mannschaft trainingsfrei hatte] die U17 trainierte. Diese Saison ist es komplett anders. Ich arbeite mit dem Cheftrainer zusammen, wir tauschen uns aus, wir kennen uns gut, wir reden über taktische Entscheidungen. Es ist eine wahre Staffbeziehung, die ich mit Eric [Sévérac] pflege. Ausserdem ergänzen wir uns gut.

Du beschäftigst dich also mit einer Hälfte des Trainings, nämlich dem Athletikteil, und der Cheftrainer Sévérac beschäftigt sich mit dem taktischen Teil…

Und ab und zu versuchen wir, beides miteinander zu kombinieren. Die Trennung ist nicht immer so deutlich. Auch in technisch-taktischen Übungen gibt es eine physische Komponente.

Am Samstag startet der Servette FCCF in seine erste englische Woche der Saison. Wie passt du die Vorbereitung in einer solchen Situation an?

Die Samstag-Mittwoch-Abfolge ist nicht so kompliziert zu handhaben. Bei der Mittwoch-Samstag-Abfolge hingegen gibt es einen Tag weniger für die Regeneration. In solchen Wochen steht man nicht in einem Entwicklungszyklus, man priorisiert vor allem die Behandlung der Wehwehchen und die aktive Regeneration. Es ist wichtig, die Gruppe unter Spannung zu halten, egal, wie das Resultat im letzten Spiel war.

Welche ist deine Lieblings-Comic-Figur?

Miraculix…

Verrätst du uns, was dein Zaubertrank enthält, den du den Spielerinnen verabreichst?

Mit unserem Partner Sponser versuche ich, eine Ernährungslinie zu verfolgen. Was die Spiele und die Trainingseinheiten betrifft, verabreiche ich ihnen Proteine und Kohlenhydrate für die Leistung und für die Regeneration nach der Einheit.

Drei Adjektive, die dich beschreiben?

Perfektionistisch, witzig und ehrgeizig.