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Die 32-Jährige wechselte im Sommer vom FC Sitten zum Servette FCCF und spielt mittlerweile ihre 12. Saison in der NLA. Die ehemalige Spielerin von YB und Yverdon blickt auf die Entwicklung des Frauenfussballs in der Schweiz.


Wie bist du zum Fussball gekommen? Wann und in welchem Verein hast du angefangen?

Von klein auf habe ich mich in der Fussallwelt bewegt. Meine Familie hat mir diese Leidenschaft weitergegeben.

Ich habe sehr früh angefangen, ich war 6. Allerdings musste ich am Anfang dafür kämpfen, dass ich überhaupt in eine Mannschaft eintreten durfte. Zu jener Zeit gab es keine Juniorinnenmannschaft im Wallis. Aber meine Mutter zeigte sich sehr beharrlich und ich durfte dann bei den männlichen Junioren vom FC Vétroz mitmachen.

Wann bist du zum ersten Mal für die Nationalmannschaft aufgeboten worden? Wie ist es gelaufen?

Mein erstes Aufgebot für die U19-Nationalmannschaft habe ich 2003 erhalten, glaube ich, es ist so lange her [lacht]. Beim Schweizer Finalturnier der Regionalauswahlen näherte sich mir der Trainer und übermittelte mir das Aufgebot. In jenem Sommer nahm ich an einem Zusammenzug teil und dann wurde die U17-Nationalmannschaft gegründet.

Du hast von 2005 bis 2016 in der NLA gespielt. Wie hat sich in dieser Zeit die Liga weiterentwickelt?

Es hat sich einiges geändert und der Frauenfussball allgemein hat sich weiterentwickelt. Die heutigen Strukturen waren undenkbar. Die Juniorinnenabteilungen waren wenig bis gar nicht entwickelt. Als ich zum ersten Mal in der NLA gespielt habe, gab es keine Mannschaft aus der Romandie in der Liga.

Du hast elf Saisons bestritten. Welche war die beste?

Ich habe viele Erinnerungen, vor allem aus Yverdon, weil ich da am längsten gespielt habe. Wenn ich nur einen Moment nennen soll, dann die Saison 2009/10, als wir den Schweizer Cup zum ersten Mal gewonnen haben.

Du hast deine ganze Karriere in der Schweiz gemacht. Hast du den Eindruck, dass es heute für die Spielerinnen einfacher ist, ins Ausland zu wechseln?

Ja, ich denke, dass es aktuell für eine Schweizer Spielerin viel einfacher ist, ihr Glück im Ausland zu versuchen. Das Niveau des Frauenfussballs in der Schweiz hat sich stark entwickelt und die Schweizer Nationalmannschaft ist eine gute Vitrine. Die Schweizer Liga ist immer interessanter und ausländische Vereine holen Spielerinnen hier.  

Ein grosser Teil des Kaders hat wie du erst bei Yverdon gespielt, bevor sie zu Servette gekommen sind. Wie erklärst du dieses wiederkehrende Schema?

Für Servette ist es das zweite Jahr in der NLA. Davor war Yverdon das einzige Romandie-Team in der NLA und deswegen zog dieser Verein viele Westschweizer Spielerinnen an. Nun haben beide Vereine die Rollen getauscht und Servette ist das Vorzeigeteam der Romandie.

Als du 2016 Yverdon verlassen hast, dachtest du vielleicht, dass es ein Abschied aus der NLA war. Wie haben sich deine Rückkehr in die höchste Spielklasse und dein Wechsel zu Servette abgezeichnet?

Ich konnte mich nie wirklich aus der NLA verabschieden. Mein Abgang aus Yverdon verlief sehr schnell. Ich habe übrigens nie mit dem Fussball aufgehört, denn ich habe im Wallis weiterhin gespielt, allerdings habe ich mich vor allem auf meine Trainertätigkeit konzentriert. Ich habe eine Juniorinnenmannschaft beim FC Sitten trainiert. Das Projekt von Servette und die Anwesenheit mehrerer ehemaligen Mitspielerinnen haben mich dazu gebracht, diese letzte Herausforderung anzunehmen.

Was sind nun deine Ziele?

Mit der Mannschaft wollen wir um die ersten Plätze spielen. Mein persönliches ist es, an mein bestes Niveau wieder heranzukommen.

Wie sieht ein normaler Tag im Leben von Valérie Gillioz aus?

Ich stehe am frühen Vormittag auf und ich bereite mich für meine Arbeit vor. Ich bin Lehrerin in der Sekundarschule. Sobald ich meine Arbeit beende, fahre ich direkt ins Training. Ich bin dann ca. 1 Stunde 40 unterwegs. Nach dem Training fahre ich wieder nach Hause ins Wallis.  

Fangfrage: Für wen hast du bei der Wahl des «Walliser Fussballers des Jahrhunderts» vom Nouvelliste abgestimmt?

[Lacht] Sowas sagt man doch nicht! Um ehrlich zu sein, habe ich die meisten Spieler nie spielen sehen, deswegen habe ich mich nicht danach gefühlt, abzustimmen. Aber der Sieg von Geiger erstaunt mich nicht, sein Weg und sein Palmarès sind beeindruckend.

Drei Adjektive, die dich beschreiben?

Beharrlich, grosszügig und entschlossen.